Gewebe aus Meta-Aramid-Stapelfasergarnen finden insbesondere in der Feuerschutzbekleidung Anwendung. Die bei der Weberei anfallenden systembedingten Webkantenabfälle werden derzeit überwiegend für Nonwoven-Anwendungen genutzt und damit einer stofflichen Rückführung in die Garn- und Gewebeherstellung entzogen.
Im Rahmen eines interdisziplinären Entwicklungsprojekts soll ein Recyclingkonzept erarbeitet werden, das die Wiederverwendung dieser Webkantenabfälle in der klassischen textilen Prozesskette ermöglicht. Ziel ist es, die anfallenden Meta-Aramid-Fasern so aufzubereiten, dass sie erneut in der Spinnereivorbereitung eingesetzt werden können. Hierzu werden die Recyclingfasern mit definierten Anteilen an Meta-Aramid-Primärfasern als Trägermaterial gemischt und anschließend im Rotor- und Ringspinnverfahren zu Recyclinggarnen verarbeitet.
Ein zentraler Untersuchungsfokus liegt auf der Bestimmung der prozesstechnischen und materialseitigen „Ausspinngrenzen“ unter Berücksichtigung marktüblicher Anforderungen an Garnqualität und Verarbeitbarkeit. Aufbauend darauf sollen Einsatzmöglichkeiten für die entwickelten Recyclinggarne identifiziert werden, insbesondere mit dem Ziel, bestehende Anwendungen nicht mehr nach dem Prinzip „so gut wie möglich“, sondern bedarfsgerecht nach dem Ansatz „so gut wie nötig“ hinsichtlich Funktionalität, Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit auszulegen. Dabei werden sowohl monomaterielle als auch hybride Garn- und Gewebestrukturen betrachtet.
Ein weiteres Entwicklungsziel besteht in der Substitution bisher eingesetzter Fremdkettfäden durch gezwirnte Meta-Aramid-Recyclinggarne, um den Materialkreislauf weiter zu schließen und den Einsatz sortenfremder Komponenten zu reduzieren.
Müller-Czygan, Günter (2023)
wwt Modernisierungsreport 2023/24, 2023, 61-67.
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